Kunst im Kontext des Stadtumbaus
Wohnraum ist in Städten für gewöhnlich knapp, nicht so in Chemnitz. Tausende Wohnungen wurden hier in den letzten Jahren abgerissen. Stadtumbau erzeugt im Fall von Abriss die bekannten Zahnlücken im Stadtbild, wodurch laut der Kritiker manche Straßenzüge und Quartiere ihren architektonischen “Biss” verlieren. Deshalb hatte das Stadtplanungsamt zusammen mit Hauseigentümern, Stadträten und Kunstvereinen vor zweieinhalb Jahren das Projekt „Kunst im Kontext des Stadtumbaus“ ins Leben gerufen. Von ursprünglich sechs geplanten Objekten zur Aufwertung von Freiflächen wurden vier realisiert. Lokale Künstler gestalteten auf einst bebauten Grundstücken Elemente, die Passanten zum Nachdenken und Erinnern anregen sollen.
Das wortgetreue Zuhause von Frank Raßbach und Helena Rossner auf der Straße der Nationen/Heinrich-Zille-Straße ist in seiner Lücke schon heimisch geworden. Zuletzt diente es als Kulisse für das Gewinnermotiv des Fotowettbewerbs der Stadt. Das Objekt – “Innen-Außen-Raum” am Uferpark scheint hingegen an den Großplattenbaustil zu erinnern und unterbricht die Grünfläche. Die “Fensterwanderung” von Volkmar Förster an der Ecke Peterstraße/Hainstraße auf dem Sonnenberg schiebt sich chronologisch noch zwischen die beiden eben genannten. Quer über die Kreuzung an der Peterstraße 22/23 ist mit “Wohnfeld” der Künstler Peggy Albrecht und Marcel Kabisch am Freitag das vierte und letzte Objekt der Serie übergeben wurden.
Aus der Entfernung sieht es zunächst noch so aus, als sei lediglich ein Wandbild entstanden. Am Giebel einer Hausfassade sind bereits vor zwei Jahren Silhouetten von Möbel aufgemalt worden. Unterm Dach stehen ein Sessel und ein Bücherregal, zwei Stockwerke darunter scheint jemand mit der Nachfolgeanwendung von Twitter das Internet unsicher zu machen und im Wohnzimmer eine Etage tiefer, die Uhren zeigen 20.15 Uhr an, wartet Omi auf den Beginn ihrer Lieblings-Rosamunde-Pilcher-Verfilmung. Könnte man denken. Ein Büro, Wohn- und Arbeitszimmer – nichts Ungewöhnliches in einem Haus. Doch die anderen fünf aufgemalten Räume sind leer, im Angesicht des drohenden “Rückbaus” schon unbewohnt? Kommt man dem Kunstwerk in der Lücke näher, sieht man bunte Möbelgehäuse aus Stahlblech verteilt aufgestellt und am hinteren Ende des Geländes, wo einst Schuppen standen, sind in den letzten Monaten vier große Bilder hinzugekommen. Diese zeigen verschiedene Kleingeräte aus Küche und Garten. Die größeren Möbel, wie Herd, Stühle und Schrank sind zwar mit lebhaften Farben bemalt, aber doch rein äußerlich ohne Wohngefühle. Eine Tischtennisplatte und eine Kletterwand dürften das bepflanzte und mit Kies aufgeschüttete Gelände im Sommer zu einem belebten Ort werden lassen.
Gerade jetzt im Winter hat der Besuch bei den ausgezogenen Sonnenberg-Bewohnern aufgrund der Äußerlichkeit seinen Charme. Zum Aufwärmen lohnt sich ein Besuch im difranco 250m die Hainstraße hoch (ab 18 Uhr geöffnet).
Mehr Fotos zur Aktion “Kunst im Kontext des Stadtumbaus” in der Galerie.















Das mit der Kunst ist gut gemeint, aber es bringt die Urbanität eines komplett bebauten Straßenzuges nicht zurück. Selbt ein leerstehendes Haus mit vernagelten Fenstern ist urbaner als jede Lücke.
[...] Albrecht, Inhaberin von Spangeltangel, war am Kunstwerk Wohnfeld des Projekts “Kunst im Kontext des Stadtumbaus” [...]
[...] ist gewiss mit den roten Buchstaben im Schnee ein neues allgegenwärtiges Fotomotiv des Typs “Zuhause” geschaffen [...]
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