Zukunft des ExKa erneut ungewiss
Vor ein paar Tagen verwiesen wir auf einen Artikel in der FAZ über das ExKa. Vorgestern war durch die Lokalpresse zu vernehmen, dass die GGG dem Verein “Wiederbelebung kulturellen Brachlandes” den Überlassungsvertrag für die Reitbahnstraße 84 gekündigt hat. Im folgenden eine Pressemitteilung von Ulrike Richter, stellv. Vorsitzende des Kulturbeirates der Stadt Chemnitz, die wir ungekürzt veröffentlichen und welche zur Diskussion freigegeben ist. Wir sind gespannt, wie es weitergeht und wie sich die Gegenseite als nächstes äußert.
Am 4. Januar 2010 wurde dem Verein „Wiederbelebung kulturellen Brachlandes e. V.” (WkB) seitens der GGG mbH der unbefristete Überlassungsvertrag für das Objekt Reitbahnstraße 84 gekündigt. Dies bedeutet, dass das Gebäude geräumt am 30. Juni an die GGG übergeben werden und die partizipativen Entwicklungen im Reitbahnviertel beendet werden müssen.
Die hundertprozentig städtische Tochter begründet ihre Entscheidung auch mit der: “…Gewährleistung der Entwicklung und Verwertung des gesamten Karrees im Kontext, auch im Hinblick auf die angrenzende intakte Wohnbebauung und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner.”(Pressemitteilung GGG 4.1.10).Interessanterweise nutzten die BewohnerInnen des Viertels die Angebote der Vereine WKB und EXKAund fanden sie inzwischen richtig gut. Die regelmäßigen Aktionen und auch die Sommerakademie 2009, mit ca. 1500 Besuchern und 63 Medienbeiträgen brachten einen enorme Aufwertung des Reitbahnviertels, Kommunikation der Bewohnergruppen untereinander, den Beginn der Umwandlung des Transitraumes zum Lebens/Bleiberaum und die Scharnierfunktion Uni-Stadtzentrum wurde etabliert. Der Gentrifizierungsprozess des Viertels erfolgte ausgehend von diesem Objekt und den jungen Menschen, Studenten dort. Es haben sich inzwischen generationsübergreifendenes Leben, Arbeiten und Partizipation dort etabliert. Nicht nur das Wirtschaftsmagazin Capital und die FAZ weisen daraufhin welche positiven Entwicklungen und Potentiale ein experimentelles Karree an diesem Ort für Chemnitz haben würde.
Unwillkürlich kommt einem das Zitat aus einem Schillerschen Drama „Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen.” in den Sinn, nochdazu wo man weiß, dass sich die Geschäftsführerin der GGG bei dem Vorsitzenden des Vereins EXKA bedankte für das Aufzeigen der Potentiale des Karrees.
Die durch die GGGmbH angebotenen Ausweichobjekte, der Kämpfer (Karl-Immermann-Str.) und Reichenhainer Str. sind für die Nutzungen der Vereine ungeeignet. Der Kämpfer bietet schon zu wenig Gesamtfläche und Funktionalität, die Reichenhainerstr. bietet nicht genügend benötigte Erdgeschoßfläche und eine Grobinstandsetzung zur einfachen Nutzung des Objektes würde mindestens 1.195.000, 00 Euro kosten.
Dezernat 6 und GGGmbH bieten nur noch das teure Objekt Reichenhainer Str. an und erwarten somit, von den Vereinen, dass sie auch noch den Gentrifizierungsprozeß des Apollokarrees übernehmen, für das es überhaupt noch keine klaren Entwicklungskonzepte gibt. Desweiteren ist eine Rückübertragung des Objektes an die Stadt in Prüfung um evt. Europäische Fördermittel dafür abzufordern.
Dem Verein EXKA wurden Europäische Fördermittel ab 2009 genehmigt, die jedoch aufgrund der Nutzungsverweigerung für die Räumlichkeiten Reitbahnstr. 80/82 durch die GGG nicht genutzt werden konnten. Mit einem rechtlich relevanten Kooperationsvertrag der Vereine WKB und EXKA im November 2009 und dem Start von vielen Projekten des EXKA in der Reitbahnstr. 84 wurde am 27.November 2009 erneut der Antrag auf die bereitstehenden Efremittel 2010 gestellt. 26 Tage später, am 23 Dezember 2009, erhielt der Verein von Amt 60 die Mitteilung, dass ihr Antrag erst im Januar 2010 bearbeitet werden würde, er wurde also sechs Wochen nicht bearbeitet und nicht an die Landesdirektion weitergeleitet. Dies bedeutet aufgrund der Bearbeitungsfristen, ein Projektbeginn wäre frühestens erst ab März möglich gewesen. Es hinterlässt den Eindruck, dass erst auf die abgesprochene Kündigung der GGG gewartet wurde, um den Antrag abzuwürgen.
Der Stadtratsbeschluß, …”auf langfristige Nutzung am jetzigen Standort hinzuwirken” wird nach wie vor ignoriert, schon indem erst im Mai 2009 (weit nach dem Beschluß) eine mndl. Sanierungsvereinbarung mit der Keilholz GmbH geschlossen wurde, bei der sich die GGG verpflichtet, gleichwertig zur Keilholzimmobilie zu sanieren. Dort wird auf den Quadratmeterpreis 5,20 Euro ohne Nebenkosten also mindestens 7,20 Euro in der Vermietung orientiert.
Die Stadt hat schon viel Geld in die Konzeptentwicklung und Umsetzung des Viertels mit dem EXKA investiert, das Chemnitzer Stadtplanungsamt hat daran gearbeitet, das Complizenplanungsbüro und die Firma ICL wurden noch extra finanziert. Vermutlich wird die geplante GGG-Sanierung die Stadt noch viel mehr kosten, denn warum sollen Studenten in diese Lage, für diesen Mietpreis ziehen, wenn dort nicht mal studentisches und Szeneleben vorhanden ist?
Eine Stadt der Moderne, der Wissenschaft ohne spürbares Studentenleben in der Stadt, ohne Szenviertel, mit drastischen, einseitigen Kürzungen im Jugendbereich, nur noch plakativem Zulassen der Partizipation ihrer BürgerInnen und dem Ausnutzen der Aktiven und Was-bewegen-Wollenden unserer Stadt? In welcher Stadt wollen wir demnächst leben?
Wie lang werden das die ChemnitzerInnen und ihre Abgeordneten noch dulden?
Ansprechpartner:
Ulrike Richter: 0371 309376, 0177 7652819, ulririch@gmx.de
Fotos von Ulrike Richter vom Ausweichobjekt für das ExKa an der Reichenhainer Str. 10 und 12 (Oktober 2009)
Eine kurze Dokumentation über die Historie des ExKa, ebenfalls von Ulrike Richter, findet ihr hier [pdf].
Chosy zur Sommerakademie in der Reitbahnstraße 84 hier.












[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Chemnitz lebt, XING Chemnitz erwähnt. XING Chemnitz sagte: Chosy: Zukunft des ExKa erneut ungewiss http://bit.ly/4vYVFW [...]
Schon zur Stadtumbau-Podiumsdiskussion am 15.12. im Weltecho
(http://archiv.weltecho.eu/2009/12/15/umbaustelle-chemnitz-%C2%96-diskussion-zum-stadtumbau/#more-390) gab es da eine sehr festgefahrene Meinung seitens der GGG. Nüchtern beklagte der junge Herr (dessen Name mir gerade entfallen ist), dass es kein zufriedenstellendes Konzept seitens ExKa vorläge. Die Ziele und Umsetzung kann sich doch jeder auf exka.org ansehen oder sich mal persönlich vor Ort ein Bild machen, und wenn die Vereine dann auch noch EU-Fördermittel zugesprochen bekommen, ist doch schon mal ein wichtiger finanzieller Grundstock gelegt. Man müsste die ganze Sache nur mal reifen lassen, statt sie im Keim zu ersticken.
Und was ist mit dem Konzept der GGG? Was für ein Konzept “schicke Mietwohnungen” (siehe FAZ-Bericht) sein sollen, die ja scheinbar nun Intention der GGG sind, erschließt sich mir auch nicht; studentisch attraktiv klingt das jedenfalls nicht. Mein Vorschlag: Die GGG dazu bringen, selbst ein hieb- und stichfestes, attraktives (FÜR WEN?) Konzept vorzulegen! Ich finde von Tochterfirma der Stadt kann man eine solche Transparenz schon erwarten… und dann müsste man eigentlich der Öffentlichkeit die Entscheidung über das bessere Konzept und die Beantwortung eben der zentralen Frage “In welcher Stadt wollen wir demnächst leben?” überlassen.
Ganz enttäuschte Grüße,
Katrin
Die GGG arbeitet immer gegen eine positive städtische Entwicklung und zerstört in Chemnitz mehr als sie aufbaut. Daran können auch ein paar Vorzeigeobjekte nichts ändern. Und wenn die Stadt eine/einen OB mit Führungsstärke hätte, dann könnte sich die GGG all das nicht erlauben. Aber Frau Ludwig hält sich wie immer raus.
Radiosendung zum ExKa
Heute (07.01.2010) geht es auf Radio T (Freies Radio in Chemnitz, UKW 102,7 MHz oder per stream http://www.radiot.de) in der Sendung Umbaustelle um das ExKa – eine Dokumentation der Entstehung des Projektes mit seinen Entwicklungen bis zum Stand 06.01.10. Es sind zu hören: Aktivisten der beteiligten Vereine (WkB und ExKa), Baubürgermeisterin Frau Wesseler, Stadtplanungsbüro, GGG, städtische Parlamentarier.
P.S. Eigentlich war die Sendung als “reine” Dokumentation eines trotz aller Widrigkeiten (jetzt leider: nur scheinbar) erfolgreichen Chemnitzer Projektes von Stadtumbau mit Bürgerbeteiligung geplant. Die am Montag durch die GGG erfolgte Kündigung an das ExKa wird auch in der Sendung thematisiert, jedoch nur als derzeitiger Stand der Entwicklungen.
Antje von Radio T
und noch ein P.S.
Es ist für mich unbegreiflich, wie man das Objekt Reichenhainer Str. 10 /12 als Ausweichmöglichkeit anbieten kann – da fällt man doch durch?
also ich frage mich auch wie ray in dem beitrag über den faz artikel, wieso man denn so an der ggg festhält. der vertrag war von vornherein für eine begrenzte zeit festgelegt, so wie das auch bei den wächterhääusern ist. denen mag auch nach einer bestimmten zeit die kündigung drohen, aber das weiß man doch vorher und rechnet damit. und wenn inzwischen die angrenzenden häuser renoviert und vermietet sind will man selbstverständlicherweise nun auch dieses haus renovieren.
also, wieso wendet man sich nichtmal an andere wohnungsbaugenossenschaften oder private eigentümer?
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