Chemnitz im März 2010
Jahrestag! Ein Jahr Monatsrückblick für Chemnitz, in denen wir Medien, Behörden und Ereignisse in Watchblog-Manier kritisch und hochseriös
Monat für Monat nachbetrachteten. Zum Jubiläum führen wir eine Neuheit ein: dies ist der erste Rückblick, bei dem das Thema “Chemnitz ist die älteste Stadt Europas” nicht vorkommt. Während vor einem Jahr der Limbacher Kirchdachflieger für launige Unterhaltung sorgte, sind es ein Jahr später vollkommen gleiche Themen, welche Presse und Behörden beschäftigen, wie etwa Winter-Schlaglöcher und die Internationale Tourismusmesse. Sollte sich diese jährliche Widerholungstendenz verstetigen, werden wir bald die jeweiligen Rückblicke schon im Voraus veröffentlichen.
10. Frühlingsputz-Foam-Mob in der Innenstadt – wohingegen beim unbeschwerten Pusten von Seifenblasen die Mobber zahlreich waren, wollten nur 60 Chemnitzer zum Sonntag einen Mob anfassen, um Markt & Co. von weggeworfenen Weihnachtsgeschenken und all dem anderen Wintermüll zu befreien.
09. Das Rätsel um die menschenleeren Straßen der Stadt nach 18:11 Uhr ist geklärt: die knapp 40.000 Chemnitzer Singles suchen in Netzbörsen einen Händchenhalte-Partner. Negative Erfahrungen bleiben nicht aus: so haben einige bereits beim ersten Date und nicht erst nach zwanzig Jahren Ehe anstatt des erhofften Prinzen einen Shrek mit dickem Bauch und grüner Haut bekommen.
08. Weil die Schüler einer Chemnitzer Berufsschule nix von Physik verstehen, dürfen sie eine Lehrlingsprüfung als Maurer nicht absolvieren. Jedoch waren es nicht die Schüler, die das Gelernte verdrängten, sondern die Einrichtung verschlief die Unterrichtung im Fach. Wahrscheinlich haben sowohl Pisa-Test als auch Turm bewiesen, dass Physik eine überschätzte Wissenschaft ist.
07. Das Vollversorgungsziel an Lebensmittelmärkten rückt näher – ein weiterer neuer Markt ist auf dem vorderen Kaßberg geplant. Ob tatsächlich im Jahr 2020 jeder Bürger einen Supermarkt für sich allein als begehbaren Kühlschrank habe, stehe jedoch noch nicht fest.
06. Oppositionspolitiker sind scheu und brauchen doch so viel Aufmerksamkeit. Sobald die Wahlzeit ansteht, lassen sie es sich nicht nehmen auch mit Aktionen knapp oberhalb der Stammtischkante zu werben. Genau an dieser Kante konnte man lokale Mandatsträger der Sonnenblumen-Partei erleben – bei einem zu ersteigernden Kneipentreff. Die subversive A(u)ktion nach christlich-schwarzem Vorbild erzielte bei Ebay beachtliche 123,34 Euro und damit mehr als die Knieschoner (für besseres Kriechen).
05. Ganz überraschend ist der Frühling angekommen. Während Landblumen bescheiden wild wachsen, erwarten die Großstadtblumen hingegen jedes Jahr etwas Nachhilfe. Böse Stiefmütterchen werden angeblich wegen Geldmangels in weiser Voraussicht nur halb so viele gepflanzt. Dafür kann sich jeder Bürger einen perfekten Strauss von der Facebook-Farm der Stadt abholen und im MMORPG-App SessionNet gegen XP eintauschen.
04. Chemnitz wirbt ohne Industriemuseum auf der ITB, beklagt die Heimatzeitung (schon wieder). Wer jetzt an einem Déjà-Vu zu leiden glaubt, liegt richtig. Dieses Jahr durfte das Museum sein Auto nicht mitnehmen und sah deshalb keinen Sinn in einer Messepräsentation. Och.
03. Die Ernennung der „Biker-Biene“ ist nicht nur eine tolle sprachliche Alliterationsleistung, sondern basiert auf handfesten Qualifikationen, nämlich einem „Sexy-Körper“. Sowohl Idealisten als auch Materialisten müssen aus den Schuhen gekippt sein, als die Qualifizierte dann auf der noch tolleren Anfangslautreihung „Biker-Bienen-Bühne“ bei der Chemnitzer Messe stehen durfte.
02. Im Sommer gibt es das Sommerloch… im Frühjahr bedienen sich die Medien alljährlich an den Schlaglöchern. Das Gesetz der Presse lautet hierbei: je gravierender die Textlücken, desto größer die Überschriften. Die Heimatzeitung richtete sogar ein HörerLesertelefon ein, um die schlimmste Panik unter der Bevölkerung zu lindern. Die Kriegsberichterstatter titeln: “Schlaglöcher zwingen zum Slalom. Ausfallstraßen besonders betroffen – Stadt schickt Flick-Trupps los“. Das Morgenblatt meint, der Winter offenbare die Sünden der Vergangenheit und das BehördenAmtsblatt spricht gar von “Kratern”, womit die Schuldigen der Misere ausgemacht sind: die Schlaglochteufel.
01. Chemnitz ist nicht Stadt der Wissenschaft 2011. Kritiker behaupten, dass die Formel „1 + 1 = 11“ doch keine neuen Möglichkeiten in der Raumfahrt, den Kernwissenschaften und dem Erbsenzählen auftun. Schlimmer noch: die Formel könnte sogar einen noch nicht analysierbaren Rechenfehler enthalten. Ob sich die Stadt 2012 mit der Formel „1 + 2 = 12“, „1 + 9 – 2 + 4 = 12“ oder „(1 x 3) – 3 + 4 = fast 12“ bewerbe, stehe noch nicht fest. Schade eigentlich.
Vorsicht, liebe Chemnitzer! Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass es auch in unserer Region einen Monat April mit 30 Tagen geben wird. Bis dahin wünschen wir erstmal ein frohes Osterfest und hoffen, dass der Hase die Eier nicht in “Krater” hat fallen lassen,











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