Karl-Marx-Stadt im Mai 2010
Auch in Chemnitz haben sich die Einwohner getreu dem Motto “Den Mai muß man nehmen, wann er kommt” damit abgefunden, dass nach dem April dieser seltsame Monat mit den drei Buchstaben M, a und i kommt. Ein seltsamer Monat, da kein weiterer Jahresabschnitt in diesem Jahr mit dem Samstag beginnen wird. Ansonsten war der Mai in Chemnitz vollkommen ereignislos. Da die Zeitungen und Sender trotzdem täglich etwas zu schreiben brauchten, haben auch wir für unseren monatlichen Artikel in der Manier des Medien-Watchblogs genügend Realsatire für die Top 10 des Irr-, Un- und Wahnsinns der Ereignisse im Mai 2010 in Chemnitz gefunden.
10. Das erste Tattoo-Event in der Chemnitzer Messe wurde durch eine Bombendrohung gestört, die Besucher mussten das Gelände verlassen. Bei einigen der gerade auf dem Tätowier-Stuhl Sitzenden musste die Arbeit unterbrochen werden. Wundert euch also nicht, wenn im Freibad seltsame Geweihmissbildungen und Chimären zwischen Katze und Karl auf den Hintern zu besichtigen sind.
09. In Chemnitz wird nur getanzt, wenn es die Behörden erlauben. Zwar finden im Forum schon seit 20 Jahren diverse Tanzveranstaltungen statt, aber so unberechenbar wie das Feuer sind die Entscheidungen der Justiz. So lautete das Party-Motto Anfang des Monats “Gerichtliches Tanzverbot im Forum” und wer in Sträflingskleidung erschien, bekam eine Vorstrafe umsonst. Auf eine solche Marketing-Idee muss man in grauen Amtsstuben erstmal kommen.
08. Die Medien warnen die Bevölkerung vor „unseriösen Jobangeboten“. So erhalten einige Chemnitzer derzeit Nachrichten per Email, wonach sie mehr als einen Euro pro Stunde verdienen könnten. Auch wir schließen uns dieser Warnung an: solche Angebote sind höchst unglaubwürdig und grundsätzlich als Spam einzuordnen.
07. Radtouren brauchen volle Reifen, gute Laune und sonniges Wetter. Kein Wunder also, dass die Baubürgermeisterin die Familien-Radtour „vital & mobil“ absagte (den genauen Grund möge man sich aus den drei Vorschlägen heraussuchen), laut Heimatzeitung war sie „zu erfolgreich“ und hat die Stadt zu lebenswert dargestellt. Wie in jeder Familie gibt es auch im Rathaus jemanden, der dann doch unbedingt fahren will – die Oberbürgermeisterin hat die Radtour „gerettet“.
06. Die Baustelle an der Hartmannbrücke ist weiterhin auch ohne Spezialausrüstung im freeze-Modus fotografierbar. Die Kameraindustrie hat bereits eine Beschwerde eingereicht.
05. Die Kaßberg-Planer haben das Vollversorgungsziel an Lebensmittelmärkten nicht aus dem Auge verloren. Damit der Frischkäse auf dem Weg vom persönlichen Markt im Kühlschrank zum Wohnzimmer nicht schlecht wird, sind weitere fünf Märkte auf dem siebten Berg von Chemnitz geplant. Wir finden: das Einkaufsangebot reicht noch nicht, das ist deutlich zu wenig für eine Stadt mit mindestens 98 Märkten und einer wachsenden Bevölkerung.
04. Das Automobil bleibt trotz überwachter Busse und traditioneller Radproduktion eine Sache, die allen besonders lieb ist. Als Maschinenbaustadt und Region mit den meisten Pkw je Einwohner in Ostdeutschland, zeigt die Stadt ihre Liebe durch die Modernisierung des Messe-Parkplatzes. Wo vorher Kies lag, soll Asphalt den Steinschlag und die eklige Reifenverschmutzung durch Schlamm stoppen. Der Preis von 450.000 Euro ist angesichts der Sparpläne im Jugendbereich akzeptabel, beweist er doch, was des Deutschen liebstes Kind ist.
03. Während ein Innenstadt-Shopping-Center noch mit Papp-Zyklopen und artgerecht eingesperrten Tieren versucht, das Volk in die Kettenläden zu locken, sind andere Rand-Center schon zukunftsorientierter: mit „Aktiv im Alter“ ging es frisch in den Mai. So lernten die Senioren mit Rollator in der Busschule, dass sie sich in Bussen „immer gut festhalten müssen“. Ein älterer Passant zu der Aktion: „Wir sind vielleicht alt, aber nicht senil.“
02. Der Brühl – unendlich verwaiste Weiten – wir befinden uns in einer nahen Gegenwart und stellen uns vor, dass bald endlich wieder Luftschiffe auf dem Brühl aufsteigen und Hornissen ins Softeis einfallen. Hingegen kommt die GGG-Idee „Freie Fahrt für Autos auf dem Brühl!“, damit man die ganzen Einkäufe vom HO nicht so weit tragen muss, nicht so gut an. Dabei wäre so viel Platz auf der neuen Brühl-Autobahn, wenn erst einmal die ganzen störenden Häuser weg wären.
01. Spaziert man die Tage durch die Stadt der Moderne, so mag man es kaum glauben: Chemnitz wurde im Mai gerade einmal süße (wie die Bild sagen würde) 20 Jahre alt. Gerade angesichts mancher realistischer Ruinenskulpturen und brauchbaren Brachflächen erscheint dies unglaublich. So ist es dann auch kein Wunder, wenn zur groß angelegten Geburtsfeier kaum jemand kommt. Schließlich feiern andere Städte erst ab dem 1000. Jubiläum. Karl-Marx-Stadt lebt!











Sehr schön geschrieben, und immer schön den Finger in die Wunden. Weiter so!
geilomat! mit besten grüßen und ich warte schon auf den junirückblick
[...] Karl-Marx-Stadt im Mai 2010 – Feierfail und Brühlautobahn Die Top 10 Ereignisse in Chemnitz im Mai 2010 [...]
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