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Chemnitz im August 2010

8 September 2010 chosycat 3 Kommentare

02. Auch wir haben ein Katastrophentourismus-Foto

Zugegeben, es ist diesmal etwas spät für den Monatsrückblick und seit Juli gibt’s hier im Blog auch sehr wenige Beiträge – aber hey, es war Sommer und besser spät als gar nicht, also, da isser:
Auch wenn es so scheinen mag: der August war wieder alles andere als stinknormal. Skeptisch hätte jeden Chemnitzer allein schon die Tatsache stimmen können, dass er als einziger der 12 Jahresbruchstücke an einem Sonntag, dem Tag aller Faulenzer, beginnt. Aus einem solchen Monat kann nichts werden, dachten sich wohl sodann die Scharlatane der Stadt und widmeten sodann ihr Handeln allein unserem Monatsrückblick. Hier sind die Top 10 der verrücktesten Ereignisse im August 2010 in Chemnitz:

10.So sexy ist Chemnitz“ ist nicht der Titel einer Sendung im Nachtprogramm von Sachsen-Fernsehen. Der Wettbewerb im Bild-Stil kommt aber aus dem gleichen Medienhaus an der Carolastraße. Der Hit-Hit-Hit-Hit-Radiosender belohnt diejenige Dame mit Geld, welche sich im Internet zur Beschauung freigibt und damit nach dem Motto „besondere Körperteile“ gehen immer, die „Attraktivität der Internetpräsentation“ des Senders steigert. Verlieren kann diejenige, welche sich dann laut Teilnahmebedingungen durch „Name, Vorname, Alter, Wohnort“ eindeutig vor der sabbernden Nachbarschaft identifiziert, sich vor der vorwiegend männlichen Jury „beweist“ und genug 50cent-Anrufer sammelt. Ja, so peinlich ist Chemnitz.

09. Die Villa Zimmermann am Bahnhof Chemnitz macht alsbald wieder auf. Naja, vielleicht. Zumindest sobald die Villa die Euphemismen von Sommerpause und Heizungsproblemen überwunden hat und der Zwangsverwalter neue Nutzer findet. Wir freuen uns auf die nächste Eröffnungsfeier, und die übernächste.

08. Nachdem sich die Mehrzahl der TU-Studenten mit den minderwertigen Bachelor- und Masterabschlüssen abgefunden hat, wird die Bezeichnung „Diplom“ wieder eingeführt. Das ist ein bildungspolitischer Erfolg auf ganzer Linie, der sicherlich allein dem Bildungsstreik im vergangenen Herbst anzurechnen ist.

07. Der August war auch in Chemnitz so nass wie ein Glas Wasser. Im Durchschnitt hat jeder Bürger aller drei Tage so viele Tränen gelacht, wie sonst noch nie im Mittel der Jahrhunderte. Die Hochwasserforscher warnen bereits vor schlimmen Auswirkungen auf das Weltklima, sollten weiterhin so viele Witze und Brückenbaustellen produziert werden.

06. „Guddn Dach!“ Die neuen Ansagen in den CVAG-Fahrzeugen sind mit leicht sächsischem Dialekt eingesprochen worden. So lautet die Ansage für die Studenten „Nächsder Hald: Alma Muddi“ und die für Rentner lautet „Dahoam is dahoam“.

05. Wieso schreiben Pressejournalisten bei jedem, aber auch wirklich jedem Sieg des CFC von einem “himmelblauen Wunder”?

04. 6000 Euro haben nicht gereicht. Die Dienstfahrräder des Chemnitzer Ordnungsamtes sind nicht verkehrssicher und mussten nachgerüstet werden. 27 Gänge und Scheibenbremsen waren nicht genug, denn da die Räder schwerer als 11 Kilogramm und dunkler als eine schwarze Katze zu Vollmond unterwegs waren, mussten Dynamos an die Räder angebracht werden. Der Bürger freut sich zumindest, dass selbst die Stadtverwaltung im Gesetzesdickicht nicht mehr durchsieht.

03. Der Rückbau von Wohnraum ist alltäglich in Chemnitz. Nicht so alltäglich ist es, dass die Abrissfirma das Gebäude nicht vollständig entfernt. Im Heckert-Gebiet blieb missglücklich gleich das komplette Fundament des Plattenbaus im Boden. Spätestens im Jahr 2074 wäre dies zu einem Problem geworden, wenn dort im Baugebiet I der Plattenbausiedlung die Einhundertjahrfeier der Wenzel-Verner-Straße gefeiert worden wäre. Passend zum Historismus der Straßennamen vermerkt Thomas am 2. Mai 2006 im Gästebuch der Stadt: „Wer zum Teufel war Wenzel Verner??“ Ja, das wüssten wir auch gern.

02. Der Katastrophentourismus bietet als einzige Branche Reisen ohne festes Ziel an. Und was schon Konfuzius wusste, haben die Chemnitzer längst verinnerlicht: die Erfahrung des reißenden Wassers ist das Ziel. So war es auch nicht verwunderlich, dass gerade in der gefährlichsten Situation am meisten Passanten in der Innenstadt gesichtet wurden. Schließlich wird das auf Foto gebannte Bild der braunen überflüssigen Chemnitz eines Tages mehr wert sein als überfüllige all-you-can-eat Fotoalben des letzten mediterranen Inselurlaubs.

01. Der Streit zwischen Grünflächenamt und Heinz Zimmermann bewegt die Gemüter der Stadt. So habe er auf seinem Grundstück die Busse unentgeltlich wenden lassen. Zur Verschönerung der Wendesituation pflanzte er einen klitzekleinen Ahorn-Baum. Der etwa 2,5m hohe Baum gefährdet nun jedoch die Sicherheit von Busfahrer und Nahverkehrbeförderungsmittel, wie das Grünflächenamt ahnt. Anstatt dass die Stadt nachgibt, plant die CVAG schon einmal vor: eine neue Schleife kostet doch nur 100.000 Euro. Das ist wesentlich günstiger als den Baum in 50 Jahren fällen zu lassen. Spätestens seit dem Abriss an der Hartmannbrücke ist also gewiss: so einen Betrag bezahlen wir Chemnitzer doch aus der Portokasse. Baut eine neue Wendeschleife!

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