Chemnitz im Januar 2011
Früher waren echte Männer trinkfest, Seemänner oder beides. Durch den Gorch-Fock-Skandal im Januar brauchte es offenbar neue Ideale. Vielleicht deshalb bekräftigen Deutschlands Männer beim Eiererstkontakt stets wie hartgekocht sie sind: “Dioxin – macht mir doch nix!” hört man die neuen Helden sagen. Und auch den Chemnitzern verschreckte das Dioxin nicht den “Eörsalahd”. Hier in der Erzgebirgsvorstadt sorgte man sich stattdessen um Präsidentensitze oder etwa den Schnee vom Dezember. Hier ist der satirische Monatsrückblick für den Januar 2011 in Chemnitz:
10. Wohin mit den alten Säcken?
Die große Flut im Januar blieb aus. Der Heimatsender “Sachsen Fernsehen” klärte die Anwohner zweideutig unter der obigen Frage auf. Die Säcke waren teuer und sollen zurückgegeben werden. Dabei weiß doch jeder, dass alte Säcke zu nichts mehr gut sind.
09. Manager verlassen Chemnitz
Gleich mehrere Manager von städtischen Einrichtungen verließen die Stadt! Vom Tierpark bis zur Müllabfuhr drehten sich schon seit vergangenem Jahr die Chef-Sessel schneller als jedes Roller-Karussell. Die Presse spricht gar von Flucht. Das kann so nicht stimmen. Spricht man doch von Flucht beim panischen Zurückweichen vor einer Gefahr oder Katastrophe. In Chemnitz jedoch ist doch alles tip top, beinahe perfekt.
08. Blitzschlag im Rathaus
Ordnungsbürgermeister Runkel plant weitere Blitzer für mehr Sicherheit. Überall im Stadtgebiet werden im Frühjahr neue Anlagen aufgestellt, die das Foto gleich im Facebook-Profil der Stadt posten. Das soll die Motivation erhöhen, für die Stadtfinanzen schneller zu fahren. Wer sein Bild allerdings mit seinen Freunden teilen möchte, muss mindestens Level 40 bei Mafiawars haben.
07. Mehr Mitbürger unterm Marxmonument
In Chemnitz lebten 2010 laut Mitteilung der Stadt erstmals seit der urkundlichen Erwähnung der Klosterruine im Telefonbuch des Jahres 1156 mehr Einwohner als im Vorjahr. Alle wollen am Erfolg beteiligt gewesen sein: Der Tierpark meint, es liegt an seinem vortrefflichen Orakel zur WM. Die Entsorgungsbetriebe heben die sauberen Mülltonnen hervor. Wie viele sind es? Sagenhafte 138 (einhundertachtunddreißig) Neubürger hat die Stadt gewonnen. Ein Wahnsinnswachstum von 0,05 Prozent! Das ist die Trendumkehr!
06. Weniger Mitbürger unterm Marxmonument
Och. Kaum waren angesichts des Bevölkerungswachstums die ersten spontanen Straßenfeste beim Amt für Feierlichkeiten angemeldet, kam der Schock: das Statistische Landesamt vermeldet einen Bevölkerungsrückgang für Sachsen. Tatsächlich verlor die Stadt 36 Mitbürger! Die zentrale Tauerfeier findet am 01. April statt. Anstatt Blumen werden Spenden für den Weiterbau der Hartmannbrücke erwünscht.
05. Der neueste Neujahrsschrei
Das erste 2011 in Deutschland geborene Kind kommt angeblich aus Chemnitz. Das war früh und besonders für die Ärzte eine große Freude. Angesichts des Geburtentrends in der Stadt entschied die Klinik fürs restliche Jahr gleich in den Urlaub zu gehen.
04. Chemnitz präsidial
In Chemnitz wird das Regierungspräsidium seinen Hauptsitz haben. Die Wirtschaft jubelt. Zu früh gefreut, liebe Matratzenhersteller. Der Präsident wird “freundlich-sachlich-kompetent” bei “komplizierten und komplexen Aufgaben oder bei Entscheidungen von besonderer Tragweite” so viel zu tun haben, dass an Schlaf nicht zu denken ist. Naja, bis auf kleine Nickerchen gegen 13 Uhr und zwischen Frühstück und Mittagessen vielleicht. Guten Schlaf!
03. Das Spar-Paradox
Der Stadtverordnetensaal wurde für schlappe 1,6 Mio. Euro renoviert. Eine Woche später wurde paradoxerweise am gleichen Ort das Sparpaket der Stadt verabschiedet, bei dem jede 50.000 Euro dreimal umgedreht wurden. Ein Sparpaket, was selbst vor historischen Figuren nicht Halt machte und für Verwirrungen sorgte. Denn eigentlich sollte Türmer Vogel entlassen werden, was aber irgendwie niemand wollte.
02. Schlaglöcher fressen Hirn auf
Ja, Schlaglöcher kommen im Januar vor. Satire bedeudet Sachverhalte zu übertreiben. Was macht der Humorist jedoch, wenn die Medien selbst ins Loch gefallen sind? In unzählig untiefen Berichten ereiferten sich Freie Presse und Sachsen-Fernsehen am Thema. Es wurden Autofahrer befragt, Fachanwälte und die Oberbürgermeisterin. Nur an die Schlaglochfresser denkt wie jedes Jahr niemand.
01. Noch mehr Müll in der Freien Presse als sonst
Italienische Verhältnisse in den Straßen. Die Papierpresse der Heimatzeitung läuft zur Hochform auf und informierte die Bevölkerung umfassend über leere und volle Tonnen. Alle Müllarten seien betroffen: Hausmüll, Biomüll und Müllmüll. Große Probleme bereitete jedoch insbesondere die Entsorgung des Nachrichtenmülls von der Brückenstraße. Jener werde täglich tonnenhaft ausgeliefert und von vielen Chemnitzern nur noch gemäß des Slogans “Die Blaue in die Blaue” behandelt.





















[...] hat es die Verwaltung aber nicht bis ins Finale geschafft. Gern wiederholen wir unseren Aufruf zum Wohle der Kindergärtenrenovierung: Bürger leistet euren Beitrag und nutzt euer [...]
[...] im Sommer ist, muss wohl das Schlagloch im Winter sein. Wie schon im Jahr 2009, 2010 und im Januar 2011 sind auch dieses Jahr wieder die themen- und lochfressenden Monster unterwegs. Wer erinnert sich [...]
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