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Flashmob am Marx-Monument – Gebt uns euer Kapital!

8 Juni 2011 Keine Kommentare PDF

Flashmob oder schon Aktionskunst? Am Marx-Monument tat sich was am Freitag. DrĂĽben von der Terminalterrasse konnte man gegen halb neun beobachten, wie sich Beobachter am Sockel scharten. Autos hupten, fuhren langsamer.

Der Flashmob

Beim zweiten Blick sah man sogar oben, direkt auf Augenhöhe des Philosophen, einen Kerl sitzen. Von dort oben herab lieĂź er Papier regnen. Und dort am Sockel, wo sonst die Skater die einzigen Gesellen des Meisters sind, referierte ein anderer Typ. Einige Passanten, wie eine Familie und ein Kleingartenopa, hörten aufmerksam zu. Vortrefflich referierte er, wie man zu Marx-Zeiten vielleicht gesagt hätte. Hört man doch auch schon aus einiger Entfernung deutlich die typischen Begriffe „Ăśberbau – Produktion – Surplusprofite“, doch dann auch „Goldautomaten an Bahnhöfen“. Was da referiert wird, klingt nach Kapital und Wirtschaftsmagazin. Klar wird in dem Zusammenhang, dass nicht Papierschnipsel von oben herab regnen, sondern Dollarnoten. Bucks, Knete, die auch zu Kapital werden können. Die Zuschauer der Aktion werden derweil von einer Frau angeschnorrt: „Haste vielleicht nen Euro?!“

Ein seltsames Geldgestöbergeschehen an einem warmen Sommerabend. Ein seltenes Lebenszeichen an dieser Stelle der Brückenstraße. Eine Stelle, an der das Kulturfestival Begegnungen sich 2010 einsam begraben hat. Eine Stelle, an der selbst die Oberbürgermeisterin die vormals geschassten Skater zur Belebung nutzen will, wie kürzlich berichtet wurde. Still liegt er da auf seinem Granitsockel. Still ist es auch um ihn herum, nicht einmal sein Geburtstag wird offenbar gefeiert. Das Marx-Monument ist 40 Jahre nach seiner Aufstellung irgendwie mit dem Stadtbild verschmolzen. In der Lokalkultur ist Marx als Popartmotiv angekommen, sodass man sich sogar von Marx verfolgt fühlen oder ihn sogar als Kirschkern bewundern kann, und doch inhaltlich nicht präsent scheint. Und genau darum ging es bei der Aktion, wie uns Initiator Wolf-Hendrik Nestler, im Gespräch verrät.

Die Touristenattraktion

Die Unterhaltung wird jedoch erstmal gestört von den unvermeidlich aufkreuzenden Blaulichtgesellen. Passend zur Sommerstimmung ziehen die Polizisten nach ein paar Worten mit Wolf-Hendrik ebenso schnell wieder ab, wie sie gekommen waren. Die Aktion, als Flashmob gedacht und ĂĽber Facebook angekĂĽndigt, ist entstanden als Hybrid der LektĂĽre „Im Krebsgang“, der deutschlandweiten Aktion „denkmal aktiv“ sowie der Christoph-Schlingensief-Geldregenaktion. Eine improvisierte Aktion, denn die Leiter war im Weltecho ausgeliehen, das Geld im Theater und der Vortragsstoff aus der Stadtbibliothek. Beteiligt waren SchĂĽler des Julius-Adolph-Stöckhardt-Gymnasiums, neben Wolf-Hendrik, waren das u.a. Nadine, Rico, Markus, Susan und Micha, der sich aufs Marx-Monument traute.

Mut gehörte zur Aktion. Ist das gewichtige Monument doch nicht nur in sich selbst schwer geschichtsträchtig, sondern wurde von ebenso ernsthaften Auftritten und Aufmärschen befeiert und beweiht. Geblieben ist eine Ehrfurcht vorm Monument und der Doktrin, was dazu führt, dass ein Passant aufpasst, ja nicht auf einem Foto zu erscheinen. Doch eigentlich ist das Denkmal nurmehr Touristenattraktion, wie Wolf-Hendrik, bemängelt. Und wie es der Zufall will, rückt in dem Augenblick ein Engländer nebenan am Sockel seine Reisebegleitung für ein Fotomotiv zurecht als gehöre sie zur Aktion.

Der Initiator

Das Aktionsmotto von Wolf-Hendrik ist: „Gebt uns euer Kapital zurĂĽck!“ Und damit ist nicht die schnorrende Dame gemeint, die ebenso wie die Touristen nicht zur Aktion gehörte. Er meint diejenigen, die ihr Kapital als Buch unverstanden im Regal stehen haben und jene, die z.B. am Bahnhof – „einem der hässlichsten Orte der Stadt“ – Millionen vergraben. Damit bekommt die Aktion natĂĽrlich auch einen politischen Einschlag. Wolf-Hendrik jedoch ist parteipolitisch ungebunden. Entsprechend sind seine Pläne nicht programmatisch, sondern eher pragmatisch: Froh, dass es so gut geklappt hat, ist er zunächst. Und wenn es eine Folgeaktion geben könnte, wäre das auch cool. Den Kontakt zu ihm findet ihr beim Facebook-Event, per Email wolf.nestler (at) gmx.de oder klassisch bei einem Event im Weltecho.

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